Zinnfigurenbemalung

Anfängerkurs Teil 2

von Hans-Jörg Meyer

18.8.1998


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Vorwort


Dieses Dokument behandelt alle Themen, die in direktem Zusamenhang mit dem Bemalen von Zinnfiguren zu tun haben.

Inhaltsverzeichnis


Grundlagen


Teilweise werden die folgenden Informationen schon jedem bekannt sein, der irgendwie mit Pinseln und Farben Umgang hat. Trotzdem werde ich mit einer gewissen Ausführlichkeit auf dieses Thema eingehen, weil ich schon des öfteren gesehen habe, wie neue Pinsel innerhalb weniger Minuten in den Händen eines Anfängers zu alten Bürsten verarbeitet wurden.

Der Umgang mit Pinseln und Farben


Pinsel sind Verschleißgegenstände. Trotz aller Sorgfalt beim Umgang mit Pinseln ist es nicht zu verhindern, daß man ab und zu einen neuen Pinsel braucht. Gerade Anfänger sollten sich nicht durch die relativ hohen Kosten abschrecken lassen und ihr Glück mit alten oder billigen Pinseln versuchen - man verdirbt sich schnell den Spaß damit.


Acrylfarben sind äußerst haltbar und sehr ergiebig. Selbst bei fleißigen Malern halten die meisten Farben mehrere Jahre - ausgenommen hiervon ist nur Weiß, sofern man es als Grundierung benutzt und häufiger mal ersetzt werden muß. Entsprechend ist es besonders sinnvoll, die vorhandene Haltbarkeit durch umsichtige Behandlung voll auszuschöpfen.

Der Umgang mit Pinseln

Im Laufe der Zeit sammeln sich viele ältere Pinsel an, die man längst nicht alle für die etwas später beschriebene Technik des Trockenbürstens gebrauchen kann. Man kann diese Pinsel meist noch für den Großteil der Bemalung nutzen und den besten Pinsel, den man auffällig markieren sollte, nur für die wirklich schwierigen Stellen benutzen.


Pinsel steckt man nur mit der äußersten Spitze in die Farbe. Man sollte deshalb nach Möglichkeit die Farbe aus dem Deckel des Farbtopfes aufnehmen, und nicht aus seinem tiefsten Innersten. Gelegentlich muß man dann zwar seinen Farbtopf schließen und etwas durchschütteln, aber das kommt nur bei ganz großen Flächen vor und tut der Farbe auch ganz gut.


Acrylfarben trocknen sehr schnell, was einerseits ein großer Vorteil ist, andererseits aber zwangsläufig dazu führt, daß schon während des Bemalens kleine Mengen Farbe zwischen den Borsten des Pinsels festtrocknen. Das ist besonders augenfällig bei winzigen Details, wie zum Beispiel Augenbrauen, wo die Farbe gelegentlich bereits vollständig getrocknet ist, wenn man die Figur erreicht. Man sollte den Pinsel also immer gründlich auswaschen, und das nicht nur, wenn man mit einer anderen Farbe weitermalen will, sondern am besten jedesmal, bevor man wieder Farbe aufnehmen will.


Beim Auswaschen bewegt man den Pinsel ein paar mal schnell in dem Wasserglas hin und her. Danach streicht man ihn unter Wasser ein wenig aus und streift ihn auf einem Papiertaschentuch sanft aus. Nicht den Pinsel in das Papier wickeln und zwischen Daumen und Zeigefinger auswringen! Wenn der Pinsel dabei Farbe hinterläßt, muß er noch gründlicher ausgespült werden. Mit einem nassen Pinsel würde man mit der Zeit die Konstistenz seiner Farben verändern, vor allem aber kann es sonst leicht passieren, daß sich während des Malens ein Tropfen aus der Metallhülle sickert und das Meisterwerk mit einem dicken Klecks überdeckt.


Acrylfarben sind wasserlöslich. Das heißt jedoch nicht, daß einmal angetrocknete Farbe problemlos zu entfernen ist, tatsächlich sind einmal richtig eingetrocknete Pinsel nur noch gut für den Mülleimer. Wenn man seinen Pinsel während des Malens aber immer regelmäßig auswäscht, bedarf er keiner weitere Pflege. Nach dem Malen noch einmal etwas kräftiger Auswaschen, vielleicht in frischem Wasser, leicht auf einem Papier ausstreifen und eventuell die Spitze mit den Lippen nachformen (Das empfiehlt sich nicht nach der Verwendung von Lacken oder lösungsmittelhaltigen Grundierungen!). Man sollte die Pinsel nicht mit den Borsten nach oben in dem Wasserglas aufbewahren, denn dann sammelt sich die restliche Flüssigkeit in der Metallhülse und löst den Leim, der die Borsten zusammenhält. Aber auch nicht mit den Borsten nach unten! Ich bündele meine Pinsel mit einem Gummiband und hänge sie dann mit den Borsten nach unten über das Kabel meiner Schreibtischlampe.


Wenn ein Pinsel plötzlich nicht mehr so richtig gleichmäßig gleiten will, hat er möglicherweise an seinem längsten Haar eine winzige Kugel aus getrockneter Farbe ausgebildet. Man kann diese Kugel leicht entfernen, in dem man den Pinsel schräg auf ein Blatt Papier drückt, so daß sich die Borsten etwas auffähern, und dann die Kugel mit dem Fingernagel abstreift. Wenn dabei noch eine Menge andere Farbe auf das Blatt kommt, sollte man seinen Pinsel ruhig etwas öfter auswaschen.


Der bereits angesprochene Leim, der die Borsten zusammenhält, verweigert schnell seinen Dienst, wenn zum Reinigen der Pinsel warmes oder heißes Wasser benutzt.

Die Pflege der Farbtöpfe

Wie bereits gesagt, können Acrylfarben etliche Jahre halten, was man natürlich ausnutzen sollte. Die Farben sollten so oft und schnell wie möglich wieder verschlossen werden, wenn man sie benutzt, damit sie nicht eintrocknen. Man kann zwar angedickte Farben mit Wasser wieder verdünnen, allerdings bleiben die Farbpigmente immer in kleinen Klümpchen zusammen und die Farbe wird nie wieder so wie vorher.


Es ist deshalb auch nicht zu empfehlen, eine für zu dünn gehaltene Farbe einige Zeit offen stehen zu lassen. Wenn man als Palette eine Stück Papier benutzt, dickt die aufgetragene Farbe innerhalb kürzester Zeit an und die Farbe im Topf bleibt unverändert.


Wenn man die Farbe vor dem Öffnen kräftig durchschüttelt, wird sie auch nach langem Stehen wieder homogen und man kann die Farbe einfach und leicht dosierbar aus dem Deckel nehmen. Vor dem Öffnen sollte man allerdings ein paar Sekunden warten.


Dadurch handelt man sich allerdings den Nachteil ein, daß sich im Laufe der Zeit zähe Ablagerungen um Verschlüße, in Deckeln und in Gewinden bilden. Sie sind nicht weiter tragisch - man kann sie mit einem Zahnstocher leicht abpuhlen und dann in der Farbe versenken oder wegschmeißen. Allerdings sollte man dies ab und zu machen, damit die Töpfe immer richtig schließen.


Wenn man Farben mischt, plaziert man sie am besten nebeneinander auf der Palette - dadurch erspart man sich einiges Auswaschen - und wäscht den Pinsel nur vor jeder neuen Farbe aus. Erst, wenn man der Meinung ist, alle beisammen zu haben, vermischt man sie auf der Palette.


Nach der Malerei alle benutzten Farbtöpfe noch einmal bewußt schließen und bei Deckeln zum Zudrücken darauf achten, daß sich der Deckel nicht an irgendeiner Stelle hochbiegt.

Die Grundlagen des Mischens


Es ist durchaus nichts schlimmes, wenn man mit vielen Grundfarben arbeitet, also die Farben direkt aus dem Topf nimmt, anstatt sie selber zu mischen, obwohl das oft so dargestellt wird. Da einem nicht so viel Farbe auf der Palette antrocknet und nicht so oft die Pinsel ausgewaschen werden, ist das auch nicht unbedingt teurer.


Trotzdem kommt niemand gänzlich um das Mischen herum. Das Aufhellen und Abdunkeln von Grundfarben duch das Zumischen von Weiß, Gelb und Schwarz gehört zu den Grundlagen und wird bei den Spezialtechniken Trockenbürsten und Waschen noch wichtig werden.


Aber auch die Grundlagen für das richtige Mischen sind einfach und oftmals hilfreich. Man braucht die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau, die entsprechend der folgenden Tabelle gemischt werden können.

RotGelbBlauErgebnis
viel viel kein Orange
kein viel viel Grün
viel kein viel Violett
viel wenig wenig Rötliches Braun
wenig viel wenig Gelbliches Braun
wenig wenig viel Schwarzbraun

Solange man noch viele Fehler macht, sollte man sich immer überlegen, wo man selbstgemischte Farben einsetzt. Einen Beutel am Gürtel einer Figur mit einem selbstgemischten Ton zu bemalen, ist problemlos, wenn die umliegende Hose mit einer Grundfarbe bemalt ist - dann kann man Fehler leicht korrigieren. Wenn die Farbe der Hose allerdings selbstgemischt war, ist sie nun mit Sicherheit eingetrocknet.

Probleme mit Schwarz

Ein Problem, das manchmal bei Schwarz auftritt, ist, daß es sich irgendwie schlecht in das Gesamtbild einfügt, oder daß mit Schwarz abgedunkelte Flächen einen komischen Eindruck hinterlassen. Das liegt zum einen daran, daß Schwarz in der Natur nur sehr selten vorkommt, zum anderen daran, daß es auch keine wirklich schwarze Farbe gibt. Natürlicherweise meint man mit schwarzen Flächen meistens ein sehr dunkles Braun, während viele Farben aber auf einem sehr dunklen Blau beruhen. Gerade bei Fantasy-Figuren fügt sich das kalte Blau schlecht in die ansonsten warmen Farben der Kleidung ein.


Abhilfe schafft hier ein selbstgemischter Ersatz für das Schwarz, wie bereits in der Mischtabelle beschrieben.

Aufhellen von Rot und Grün

Jeder mag zur Demonstration einmal Rot und Grün mit Weiß aufhellen. Das Ergebnis ist ein komisches Rosa oder ein merkwürdiges Grün, die man für kaum irgendetwas verwenden kann. Im allgemeinen sollte man Rot und Grün deshalb mit Gelb aufhellen.

Das Abgrenzen von Flächen


Acrylfarben decken bei relativ dünnen Schichten schon gut ab. Man kann deshalb problemlos mehrer Versuche machen, ohne zwangsläufig wichtige Details zu verkleben. Allerdings decken die Farben auch in mehreren Lagen nicht hunderprozentig ab - der Eindruck der Farbe beruht immer auch ein wenig auf der Farbe des Untergrundes. Deshalb grundiert man mit neutralen Farben wie Weiß oder Schwarz, und wenn man einen Fehler ausbessern muß, deckt man ihn erst wieder mit Weiß oder Schwarz ab und trägt erst dann die eigentlich Farbe auf. Nur so kann man Fehler wirklich ungeschehen machen.


Das Bemalen von benachbarten Flächen ist zweifellos die grundlegenste Sache beim Bemalen von Zinnfiguren, wobei der Anspruch normalerweise ist, an den Grenzen harte übergänge zu schaffen. Das wird meistens dadurch vereinfacht, daß sich die Flächen im Relief voneinander abgrenzen.
Die Von-oben-nach-unten-Technik
Das ist die sinnvollste Reihenfolge, was das Bemalen von Flächen angeht. Von-oben-nach-unten heißt dabei allerdings nicht etwa, vom Kopf zu den Schuhen, sondern meint den Unterschied zwischen den Flächen selber. Ein Beispiel schafft hier sicherlich Klarheit. Wenn ein Hals in einem Ausschnitt steckt, bilden das Kleidungstück mit einer gewissen Dicke und der Hals eine Stufe aus, ebenso ein Gewand, das unter einer Rüstung hervorlugt, oder andersherum auch ein Gewand, das auf einem Kettenhemd liegt. Nun gehört diese Stufe meist zu dem höher gelegenen Teil: man sieht die Kante der Kleidung, nicht der Hals hat eine Stufe. Man möchte also diese Kante in der selben Farbe bemalen, wie auch die Oberfläche des Gewandes. Da es aber fast unmöglich ist, die Kante zu bemalen, ohne die tiefergelegene Fläche zu verschmieren, malt man in der Reihenfolge Von-oben-nach-unten Also so: erst den Helm, mitsamt seiner Haare. Dann die Fehler, die sich nun auf den Haaren befinden, mit Weiß überdecken, dann erst die Haare anmalen, dann wieder die Fehler auf den Schulterklappen entfernen, diese Bemalen, und so weiter nach den Schulterpolstern erst den Gürtel, dann die Kleidung zwischen Gürtel und Schulterpolstern - dabei nicht die Kante zum Hals vergessen, und dann widmet man sich dem am tiefsten gelegenen Hals und dem Gesicht.
Das Bemalen der Flächen, ohne dabei die Kante nach oben zu verschmieren, ist eigentlich einfach. Wenn man den Pinsel gegen die Figur drückt, fächert er sich ein wenig auf und wird sehr flach. Man kann ihn dann vorsichtig bogenförmig an die Kante heranführen.

Die Von-unten-nach-oben-Technik

Die Von-oben-nach-unten-Technik ist einfach und logisch, nur leider scheitert ihre konsequente Anwendung an der im nachfolgenden beschriebenen Technik des Trockenbürstens. Nach dem flächigen Ausmalen wird man nämlich noch etliche Flächen trockenbürsten wollen, was allerdings eine extrem ungenaue Technik ist und man benachbarte Flächen besonders erfolgreich verunstaltet, wenn sie noch höher liegen als die eigentlich zu bürstende Fläche. Deshalb empfielht es sich hier natürlich, erst die tiefergelegenen Flächen zu bemalen und gleich zu bürsten, um sich dann hoch zu arbeiten.

Die Große-Flächen-zuerst-Technik
Eigentlich keine richtige Technik, weil es keine logischen Gründe für diese vorgehensweise gibt. Allerdings ist diese Reihenfolge so tief in der menschlichen Psyche verankert, der wahrscheinlich möglichst schnell ein Resultat sehen möchte, daß sie immer eingesetzt wird. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, schließlich widerstreben sich die anderen beiden Techniken auch und ohne Kompromisse kommt man ohnehin nie aus.

Die Spezialtechnik des Waschens


Durch das Waschen verstärkt man optisch das Relief der Figur, indem man die tiefergelegenen Stellen abdunkelt. Das geht besonder gut bei Strukturen, die relativ großflächig sind und sanfte Wölbungen haben - Gewänder und muskelbepackte Arme. Als Beispiel wähle ich einmal den grünen und muskelbepackten Arm eines Orks. Ich male dieses Arm komplett mit einem von mir als durchschnittlich empfundenen Grünton an. Dann dunkel ich dieses Grün auf der Palette mit Schwarz ab oder suche mir einen etwas dunkleren Grünton, den ich auf der Palette so stark verdünne, so daß, wenn ich mit der Farbe auf weißem Papier einen Strich mache, das Papier noch deutlich durchschimmert. Mit dieser Brühe bestreiche ich dann großzügig den ganzen Arm und die Farbpartikel werden in den Senken zusammenlaufen. Es dauert jetzt natürlich einige Zeit, bis die Farbe trocken ist.


Der Gesamteindruck des Armes wird dadurch natürlich dunkler als die Grundfarbe vermuten läßt. Man kann entweder die Grundfarbe etwas heller wählen, oder aber durch Einsatz des nachfolgend beschriebenen Trockenbürstens überdurchschnittlich helle Farbpartikel auftragen.


Zum Waschen eignen sich nicht nur die abgedunkelte Grundfarbe oder verwandte Farben. Häufig eignet sich auch Schwarz gut zum Waschen; es hat den Vorteil, daß es sich gegenüber allen benachbarten Farben neutral verhält.

Man braucht sich nicht auf eine Wäsche pro Fläche beschränken, allerdings ist das meist ausreichend.


Tinten sind ähnlich zu verwenden wie verdünnte Farben. Ihr Vorteil liegt angeblich in den intensiveren Farbpartikeln.

Die Spezialtechnik des Trockenbürstens


Das Trockenbürsten ist das Gegenteil des Waschens - mit knochentrockenen Farbpartikeln hellt man die hervorstehenden Details auf. Das klappt besonders gut bei engen Strukturen - Kettenhemden, Haare oder um einen Griff gelegte Finger. Für diese Technik braucht man einen billigen oder alten Pinsel, weil sie für Pinsel äußerst strapaziös ist. Zuerst besorgt man sich eine Farbe, die etwas heller ist als die Grundfärbung des zu trockenbürstenden Fläche. Dann nehme ich mit dem schlechten Pinsel diese Farbe auf und male auf dem Papier der Palette solange Kringel, bis kaum noch Farbe abgegeben wird. Das mach ich ruhig immer auf der selben Stelle, denn der Pinsel soll ja Farbe enthalten, nur fast getrocknete, die sich nur schwer vom Pinsel lösen wird. Danach wische ich noch einmal zur Kontrolle über ein Papiertaschentuch, um auch wirklich sicher zu gehen, daß ich auf der Figur nicht plötzlich doch noch irgendwelche Striche hinterlasse. Mit diesem Pinsel bürstet man dann über die Figur, wobei man manchmal wild kreist, wenn man zum Beispiel die Muskeln des Orks weiterbearbeiten möchte, meistens aber bietet es sich an, nur ein oder zwei konkrete Richtungen einzuhalten. Bei Fingern würde ich nur in Querrichtung Farbe auftragen.


Das Ergebnis des Trockenbürstens sollte nur langsam sichtbar werden: an den Kanten sollte sich eine Spur der hellen Farbe absetzen, wenn der Pinsel richtig malt, hat man zuviel Farbe auf dem Pinsel gehabt und muß alles nocheinmal machen (weiß grundieren, Grundfarbe, eventuell Waschen - und immer zwischendurch schön trocknen lassen). Es ist deshalb besser, mit zu wenig Farbe anzufangen, und sich langsam vorzutasten, als bei dem ersten Pinselstrich zu merken, daß man nicht konsequent genug ausgestriffen hat.


Wie auch beim Waschen muß die Farbe zum Trockenbürsten nicht unbedingt die aufgehellte Grundfarbe oder eine ähnliche Farbe sein. Die Arme meiner Orks bürste ich auch mit Gelb, was nicht unangenehm auffällt.


Im Gegensatz zum Waschen ist es nichts ungewöhnliches, wenn man auf ein und dieselbe Stelle mehrere Bürstungen anwendet, wobei man sich langsam zu immer helleren Farben hocharbeitet. Eine einzige Trockenbürstung reicht allerdings schon oft, um den Erscheinungsbild einer Figur merkbar zu verbessern.

Vorgehensweise bei bestimmten Details

Im Grunde ist jetzt alles geschrieben, was man für das Bemalen von Figuren benötigt. Es ist allerdings nicht immer leicht, die gelernten Techniken in der richtigen Reihenfolge anzuwenden, deshalb hier noch ein paar spezielle Tips.

Metallflächen von Rüstungen und Waffen


Metallflächen werden schwarz grundiert und mit einer Metallfarbe trockengebürstet, wobei ich bei Plattenpanzern nur in zwei Richtungen bürste. Diese Technik klappt auch bei ebenen Flächen - also zum Beispiel Axtköpfen und Helmen, wenn man den Pinsel vorher wirklich stark ausbürstet.


Für Roststellen kann mit einer rostbraunen Waschung experimentieren oder auch Rostflecken aufbürsten.


Eine andere Technik benutze ich manchmal bei besonders umfangreichen Kettenhemden. Ich bemale die komplette Rüstung in Gold und Wasche sie nach dem Trocknen mit Rotbraun. Danach bürste ich noch einmal mit Gold, Gelb oder vielleicht auch Silber.

Gesichter von Menschen und ähnlichen Völkern


Gesichter sind für den Anfänger das Problem schlechthin, weil man bei Gesichtern im allgemeinen weniger bereit ist, Abstriche in der Qualität zu machen. Tatsächlich kann man aber bei Spielfiguren, die in großer Anzahl für Tabletop-Spiele verwendet werden, auf eine detailierte Bemalung der Gesichter getrost verzichten.


Den Anfang macht man natürlich ersteinmal damit, daß man das Gesicht mit Hautfarbe bemalt. Danach wasche ich das Gesicht mit rötlichem Braun. Wenn man Glück hat, sieht das schon auf die Entfernung ganz gut aus, meistens aber ist durch das Waschen das ganze Gesicht etwas zu dunkel geraten. Dann bürste ich noch einmal mit der Hautfarbe über das Gesicht, wodurch ich ja an den erhabenen Stellen wieder die normale Gesichtsfarbe auftrage.


Jetzt kann man sich überlegen, ob man wirklich noch die Augen ausarbeiten möchte. Da bei so kleinen Details ein hoher Kontrast zwischen den Flächen wichtig ist, lege ich im folgenden besonderen Wert darauf, daß überall Farbe hinkommt, wo ich welche haben möchte, wobei relativ uninteressant ist, ob ich vielleicht auch Stellen überpinsel, die eigentlich verschont werden sollten. Ich hoffe, das wird im folgenden noch deutlicher.


  1. Als erstes male ich die Augäpfel weiß an. Sie sollen wirklich richtig weiß werden und sich von der Hautfarbe abheben, deshalb trage ich richtig gut auf, wobei ich meist die kompletten Augenhöhlen übermale, was mich aber nicht sonderlich stört.


  2. Während der Krempel trocknet, überlege ich, ob ich nur eine Farbe für das Auge auftragen will, dann entscheide ich mich für eine relativ dunkle Farbe, oder ob ich in einem zweiten Schritt noch eine schwarze Pupille auftragen möchte, dann wähle ich die Augenfarbe lieber etwas heller.


  3. Nachdem ich mich für eine Augenfarbe entschieden habe, nehme ich den kleinsten Pinsel, den ich finden kann, nehme etwas von der Farbe auf und streiche ihn auf der Palette soweit aus, das er keine Tropfen mehr enthält. Dann male ich mit einem einzigen Zug einen senkrechten Strich über das Auge. Auch hierbei lege ich wert darauf, daß der Strich komplett und deckend über das ganze Auge geht und nehme dabei in Kauf, daß ich auch ober- und unterhalb des Auge noch viel Farbe hinterlasse.


    Es erscheint mir unmöglich, mit einer Ladung Farbe gleich beide Striche für beide Augen ziehen zu können. Die Farbmenge ist so gering und trocknet so schnell, daß der zweite Strich garantiert dünner und blasser wird. Also lieber in Ruhe den ganzen Arbeitsschritt für das zweite Auge wiederholen.


  4. Die wenige Farbe trocknet sehr schnell, und wenn ich jetzt noch eine schwarze Pupille einzeichnen möchte, kann ich das gleich tun. Dazu ziehe ich noch einen dünneren Strich Schwarz senkrecht über das Auge.


  5. Die Augen sind jetzt fertig, allerdings ist die Umgebung der Augen ziemlich verunstaltet und die Figur erinnert wahrscheinlich ein wenig an Alice Cooper. Wenn man viel Augenfarbe oder Schwarz ausserhalb des Auges hinterlassen hat, muß man die Umgebung erst wieder weiß grundieren, wenn es nur kleine Fehler sind, kann man gleich mit Hautfarbe ausbessern.


Man kann sich noch die Mühe machen, den Mund oder Augenbrauen nachzuzeichnen, allerdings wirkt das oft sehr schnell übertrieben. In den meisten Fällen hebt die anfängliche Waschung die Details schon ausreichend hervor.


Durch das großflächige Auftragen der Augen und dem nachträglichen Ausbessern mit Hautfarbe geht um die Augen herum die Färbung des Waschens verloren. Unterhalb des Augen ist es eigentlich nicht störend, wenn der Wangenknochen von oben etwas heller ist als der Rest des Gesichtes. Oberhalb des Auges erwartet man eigentlich bis zur Höhe der Brauen einen Schatten. Mann kann solche Änderungen mit etwas Übung direkt malen, auch einen Schatten unter der Nase oder unterhalb der Unterlippe, allerdings ist es die Frage, ob das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt. Bei Figuren mit stark ausgeprägten Gesichtszügen, zum Beispiele Oger oder Trolle, die nach dem Waschen und Trockenbürsten eine starke Struktur aufweisen, kann es Sinn machen, vor dem Malen der Augen sich die Umgebung zu merken und hinterher wieder nachzuzeichnen. Das sind aber Dinge, auf die man als Anfänger mit ruhigem Gewissen verzichten kann.


Das ist auch die einzige Situation, in der ich gelegentlich einen winzigen Synthetik-Pinsel zu Rate ziehe, nämlich wenn ich im fertigen Gesicht Kriegsbemalung oder Tätowierungen unterbringen möchte. Dann ist nämlich die hohe Steifheit der Synthetik-Borsten ganz angenehm, aber ein Anfänger sollte sich mit einem gelungenen Gesicht zufrieden geben und nicht das Risiko eingehen, weitere Verzierungen anzubringen. Allzuoft trocknet die wenige Farbe schon auf dem Weg zum Ziel und hinterläßt nur eine undeutliche Spur. Weitere Versuche führen dann nur noch zu einem unstruktiertem Fleck, weshalb man nach jedem Fehlversuch eigentlich wieder mit Hautfarbe beginnen müßte, und dabei zerstört man die schöne Struktur des Waschens.


Ende